Internet Statement 2017-20

 

Das am meisten hervorstechende Merkmal des neuen US-Präsidenten Trump ist seine in völliger Unverfrorenheit hervorgekehrte Inkonsistenz.

 

Maria Weiß  20.02.2017     

Rußland ist ein Vielvölkerstaat. Das ist immer ein Problem, damit in der richtigen Weise umzugehen. Europa ist es inzwischen in gewisser Weise auch. Man kann es natürlich nicht direkt gleich setzen, aber in gewisser Weise ist die Europäische Union etwas ähnliches. Selbst die USA haben dieses Problem, das ihre sehr gemischte, verschiedenartige Einwanderungsbevölkerung mit den verschiedensten kulturellen Elementen und Belangen hervor bringt. Die Europäische Union ist natürlich kein Staat im unmittelbaren Sinn, aber sie ist auch nicht zufällig entstanden. Das wird unweigerlich aufeinander stoßen. Um den Frieden zu erhalten, muß man Revolution machen.

Mag sein, daß der Schwerpunkt in der Welt sich inzwischen nach Asien verlagert hat, aber das heißt nicht, daß Europa keine Bedeutung mehr hat, vor allen Dingen auf Grund seiner Geschichte und auf Grund seiner Erfahrungen, welche man keineswegs unterschätzen sollte. Die asiatische Despotie, egal in welchem Gewand sie auftritt, ist keine Alternative. Das frühere sozialistische China mit Mao Zedong hat sich vor allem auf westliche Errungenschaften und Erkenntnisse gestützt, das sollte man nicht vergessen, auch wenn es zeitweilig in den Hintergrund zu treten Gefahr läuft. Vor allem seine Kritik am Konfuzianismus war immer auch dabei ein wesentliches Anliegen.

Es gibt immer einen gewissen Gegensatz zwischen Quantität und Qualität. Gegenwärtig liegt die Quantität der Erfahrungen eindeutig in Asien, aber die Qualität der historischen Erkenntnis ist und bleibt in Europa. May be, daß einige Menschen dies als sogenannten Eurozentrismus kritisieren würden. Na und? Man muß sich doch fragen: Was hat denn was hervorgebracht? Wo bleiben denn die tiefgreifenden sozialen und philosophischen Erkenntnisse asiatischer Staaten? Selbst China hat in dieser Hinsicht nicht allzu viel aufzubieten. Von Rußland mal ganz zu schweigen. Allerdings haben beide eine soziale Revolution vollzogen und viele neue Erkenntnisse gewonnen. Aber weder Lenin noch die Mao Zedong Ideen werden dort gegenwärtig besonders geschätzt, im Gegenteil, man ignoriert es mehr oder minder. Das gegenwärtige Regime in China tut doch nicht viel mehr, als sich auf diese Erkenntnisse und Errungenschaften Mao Zedongs zu stützen, um eigene Machtinteressen durchzusetzen. Was das chinesische Volk in seiner Mehrheit davon auf die Dauer halten wird, das steht allerdings noch aus. Stalin hat es mal so ausgedrückt: Herrscher kommen und gehen, die Volksmassen der verschiedenen Länder bleiben bestehen, und diese sind es, die letztlich die Geschichte bestimmen.

Europa ist historisch betrachtet die Wiege der modernen Zivilisation. Und selbst wenn man diesen Kontinent zu einer Wüste zurückzuwerfen versucht, es werden diese Elemente damit nicht auszulöschen sein, und nebenbei haben sich diese längst auch auf anderen Kontinenten verankert. Sie haben sich dort weiter entwickelt. Deswegen hat diese Art von Verbrechen keine Chance. Die Trump, Putin und andere Möchte-gerne-Herrscher kommen und gehen, die Volksmassen der verschiedenen Länder und Kontinente aber bleiben bestehen und diese werden sich ihr Recht auf Fortschritt und Entwicklung und wenn es auch mit noch so viel Gewalt verbunden ist herausnehmen und erkämpfen.

Jedermann weiß, auf was sich die Le Pen Richtung in Frankreich stützt. Und wer sich damit verbündet, der hat für sich selber auch schon sein Bekenntnis in der Frage Fortschritt oder Reaktion abgelegt. Und auf was stützt sich denn Putin? Das weiß man doch aus der Entwicklung der letzten zehn bis fünfzehn Jahren, worauf der sich stützt. Und wer sich mit solchen Kräften verbündet, hat ebenfalls seinen Stempel weg. Was wird denn dort anderes einer Revision unterzogen als in Wahrheit die Revolution? Insofern ist es gar nicht so falsch, von Putin als von einem Revisionisten zu sprechen. Allerdings muß man da erstmal durchblicken, wenn so etwas hier so einfach mal in die Gegend gestreut wird als neues Schlagwort. Geschichtliche Revisionisten gibt es allerdings viele. Zum Beispiel auch in unserem Land. Sie wollen zum Beispiel die geschichtliche Revision über den Nazifaschismus auf das Tapet bringen. Und mit eben diesen Kräften verbündet sich interessanterweise Putin. Zu welchem Zweck geschieht denn das? Wenn das mit „Revisionist Russia“ gemeint ist, dann ist das gar nicht mal so verkehrt. Aber es ist auch klar, was für eine Art von Revision hier gemeint ist: es ist die Revision der Revolution von 1917/18. Diese ist damit gemeint, denn man will den alten Zarismus hier wieder etablieren, der seit eh und je versucht, seine Herrschaft über Europa zu etablieren. Die Chancen dafür sehen allerdings nicht besonders gut aus.

Das Schlagwort aber geistert überall herum. Revisionisten dieser Sorte gibt es noch mehr. Donald Trump ist auch ein solcher. Der möchte es gerne rückgängig machen, daß die Supermacht USA inzwischen einen Niedergang erlebt hat, und zwar einen, der darin begründet ist, daß die Völker, die er unterdrückt, ihre Emanzipation erstreben. Nicht nur in den USA selbst oder in Mexiko, sondern vor allen Dingen im Mittleren Osten, dort gibt es eine erhebliche Bewegung dafür und es existiert ein dementsprechender Gegensatz, und eine bestimmte Art von Revision der Geschichte, die das alles wieder in den Kolonialismus zurück verfrachtet, das ist es, was o. g. Kräfte anstreben. Allerdings haben sie schlechte Karten und insofern kann man sagen, daß sowohl Putin als auch Trump, von Erdogan mal ganz zu schweigen Revisionisten sind, Revisionisten des geschichtlichen Fortschritts, der geschichtlichen Entwicklung, die längst ihre Zeichen gesetzt hat, dort, und die man nicht so einfach wieder wird rückgängig machen können. Mal sehen, wo ihr bleibt, wenn es endlich gelingt, die Perspektive des IS vom Jenseits in das Diesseits zu verfrachten.

Überhaupt ist dieses ganze Rechtsgesindel von einer sagenhaften Weitsicht in sozialer Hinsicht betucht. Hat diese französische Regierungsaspirantin Marine Le Pen denn schon mal überlegt, was es eigentlich heißt, Frankreich aus der Europäischen Union heraus zu katapultieren? Wie soll denn das weiter gehen? Was soll den Frankreich für eine Politik machen? Es stellt sich allerdings die Frage, ob derartige Kräfte überhaupt so weit denken. Etwas politisch Dümmeres hat die neuere Geschichte wohl kaum hervorgebracht. Allianz mit Rußland? Mit welchem Ziel eigentlich? Haben sie sich denn überhaupt schon mal damit beschäftigt, was Rußland in seiner heutigen Ausprägung bedeutet? Revisionistisches Rußland, Geschichtsrevisionismus, Wegwerfen der Kritik am Großmachtchauvinismus – das ist es, was das bedeutet. Und die Konsequenzen daraus dürften auf dem Tisch liegen. Was derartige Kräfte anzubieten haben, das steht sprichwörtlich in den Sternen. Mit sozialem Fortschritt hat es jedenfalls nichts zu tun, sondern eher etwas mit neuem Krieg in Europa, verbunden mit millionenfach daraus resultierender Zerstörung, auch von Menschenleben.

Die Konsequenz daraus kann nur heißen, solchen Rattenfängern und geschichtlichen Revisionisten der sogenannten AfD in Deutschland nicht auf den Leim zu gehen. Und nebenbei, will man den IS und andere derartige Kräfte wirksam bekämpfen, dann muß man den Materialismus verteidigen und die Religion, den Idealismus, welchen diese beinhaltet, kritisieren und verwerfen. Mir ist nicht bekannt, daß in irgendeiner Form nicht nur die sogenannte AfD sonern auch andere angeblich oppositionelle Kräfte solches in ihrem Programm stehen haben.
Leuten wie Putin und anderen ist das natürlich auch bekannt, aber es ist ihnen nicht nur egal, sondern es kommt ihnen gut zu Paß, dient es doch dazu, eigenen Machtausdehnungswünschen zum Erfolg zu verhelfen. Das ist ganz ähnlich wie mit der Stellung der USA zum Nazifaschismus und seiner Ausdehnung in Europa in den 1930er Jahren. Damals lautete deren Devise: Hauptsache sie bekämpfen den Kommunismus und seine weitere Ausbreitung, alles andere störte sie erstmal nicht. Das Ergebnis einer solchen Politik hat man gesehen. Und ein weiteres solches Vorgehen von Seiten dieser Kräfte wird sicher nicht bescheidener ausfallen, was die Zerstörung Europas betrifft.

Notwendig ist – und das kann man nur immer wieder betonen - daß diejenigen Kräfte, die den Fortschritt vertreten in Europa, sich untereinander über diese Gefahren konsultieren. Der Opportunismus in Europa, der davon lebt, daß andere Regionen der Welt ausgebeutet werden, ist immer dazu geneigt, zeitweilig dominanten Kräften nachzugeben, und seien sie noch so reaktionär. Damit muß man sich aber nicht abfinden. In gewisser Weise steht hier die Ehre des fortschrittlichen Europa, bestehend in seinen revolutionären Kräften, auf dem Spiel, und all Diejenigen, die das verteidigen, sind gefragt, sich zusammenzuschließen, um zu gemeinsamen Aktionen zu kommen. Einige Ansätze dazu sind durchaus zu bemerken. Aber es muß mehr werden. Man kommt sich hier manchmal vor wie ein Rufer in der Wüste, aber die Wüste, das ist das, was uns droht, wenn wir nicht mehr dagegen unternehmen. Der Zarismus als Retter Europas? Das ist nichts anders als in den Jahrhunderten zuvor. Das Ergebnis wird allerdings, sollte man diesem wieder auf den Leim gehen, weitaus schlimmer ausfallen.

 

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